Tom Astor(s) Reitwagen [Test Orcal Astor Cafe 125]

Fahrtest Orcal Astor Cafe 125:

Als älter werdender Motorradfahrer denke ich oftmals darüber nach, ob denn alles nur noch durch Höchstleistung definiert werden muss und stelle fest, dass dem nicht so ist. Denn auch mit gerade einmal 10 PS kann man mordsmäßig viel Spaß haben, aber schön der Reihe nach.

Da stehe ich nun vor der schlanken Orcal Astor und schaue mit das Gefährt mit Herkunft aus Frankreich ganz genau an. Mein Blick schweift vom gut geschweißten Edelstahlauspuff hinüber zur pfiffigen Tank Sitzbank­linie und bleibt am Old Style Scheinwerfer hängen. Ich habe den Eindruck, dass mir die Astor durch ihren lässigen Scheinwerfer etwas ins Ohr flüstert: „Hey Alter steig auf und chill mal wieder. Ich trage dich dorthin, wo die Welt am schönsten ist. Ohne Stress, aber mit viel Spaß“.

Retro und dabei wirklich chic

Ein Gefühl steigt in mir hoch, so eines welches ich vor ca. 30 Jahren hatte, als ich zum ersten Mal eine 80 ccm Maschine der Marke Honda erklommen habe. Als ich sitze muss ich feststellen, dass die Sitzbank meinem alten Hintern schon irgendwie schmeichelt, denn die ist wirklich sehr bequem. Dass der von Yamaha entwickelte 125 ccm Motor durch einen Vergaser befeuert wird ist mir schnuppe, hey willst du jetzt Old School oder einen weichgespülten Einspritzer fahren? Also den Choke Hebel umgelegt und starten, der kleine Motor erwacht sofort zum Leben und zaubert mir mit seinem grimmigen Einzylinder-Bollern ein Grinsen ins Gesicht.

Alter Bekannter, Triebwerk der Yamaha SR125

Erster Gang rein und los, jetzt kommt das Gewicht der Astor ins Spiel, denn diese Maschine wiegt gerade einmal 128 Kilogramm und beschleunigt mit den 10 PS wirklich ordentlich. Mein Grinsen wird immer breiter, zumal die Gänge beim Schalten wie Butter durchs Getriebe flutschen und der Kupplungshebel erfreulich leicht zu betätigen ist. Auf zum Baldenysee zur Fotosession, die Blicke der Passanten am Straßenrand sind wirklich klasse, große Augen und hinterhergucken ist angesagt, die Astor wirkt halt wie ein Relikt aus vergangenen Tagen. Beim Beschleunigen steigt die Tachonadel ruckzuck im schön gemachten Instrument in Richtung 110 km/h, das ist mal flott und reicht für die Landstraße allemal aus.

Analog macht froh, stylisches Anzeigegerät

Man sitzt locker und gerade auf der Astor, der schön geschwungene Alu­lenker verspricht, in Verbindung mit den tief angebrachten Fußrasten, Entspannung pur. Dies lädt zu langen Etappen ein. Mit meinen 184 cm finde ich genügend Platz auf der possierlich wirkenden Astor, mit einer Sitzhöhe von nur 780 mm haben allerdings auch kleinere Menschen festen Stand unter ihren Füßen und somit alles bestens unter Kontrolle.

Kleine Maschine, großer Sitz Komfort

Die Bedienung der Astor fällt erfreulich einfach aus, alles befindet sich an seinem Platz, wo es auch hingehört, so macht die Astor wirklich höllisch viel Spaß. Das Fahrwerk der Kleinen arbeitet erstaunlich gut und steckt so manche harte Bodenwelle lässig weg, die Kurvenlage und die Rückmeldung der Reifen sind ebenfalls gut, nicht sportlich aber flott, „so muss dat“ sagen wir bei uns. Nichts an der Maschine klappert oder rappelt während der Fahrt, so etwas vermittelt dem Fahrer eine hohe Qualität der Retro Maschine. Die Gabel und die beiden hinteren Federbeine arbeiten, wie gerade angesprochen sehr verlässlich, die Gabel lässt sich nicht justieren, dafür aber die hinteren Federbeine, die Druckstufe lässt sich links wie rechts schnell und einfach verändern.

Gute Arbeit bei den Details

Die Astor bringt vorne wie hinten Scheibenbremsanlagen mit, so etwas ist neuester Stand der Technik und grenzt sich von anderen Café Racern in dieser Fahrzeugklasse ab. Zukünftig kann die Astor also mit einem ABS oder CBS ausgestattet werden. Der Druckpunkt der vorderen Bremse ist mittelhart, die Verzögerungswerte sind schon bei leichter Betätigung hervorragend, auch dies vermittelt ein sehr gutes Gefühl. Die Bremse hinten verlangt kein gut trainiertes Fußballerbein, sondern lässt sich ebenfalls fein dosieren.

Gut wirksame Scheibenbremsen

Das Spritfass der Kleinen fasst gut 16 Liter, was im Umkehrschluss bedeutet, dass die Astor eine theo­retische Reichweite von über 400 Kilometern verspricht, passt gut zur entspannten Sitzposition. Sollte der Tankinhalt einmal zur Neige gehen zeigt eine Kontrollleuchte im Instrument an, dass noch ca. 4 Liter Sprit im Reservoir übrig sind und man bald tanken sollte. Eine Tankuhr gibt es nicht, dafür aber einen Benzinhahn, der im Moment der leuchtenden Kontrollleuchte auf Reserve umgeschaltet werden sollte.

Nach der Fahrt setzte ich mich noch ein wenig neben die Astor und nehme sie in den Arm, schon lange habe ich nicht mehr so viel Spaß mit so wenig PS gehabt, die Orcal ist ein echter Kumpel zum Liebhaben. Meine Blicke gehen noch einmal rund um das Motorrad und ich muss feststellen, dass die Astor einwandfrei verarbeitet ist, kein Café Racer von der Stange, sondern so richtig gut gemacht. Da stimmt jedes Detail, die Alu-Speichenräder, der Rohrrahmen, der Tank, die tollen analogen Instru­mente und einfach auch der gesamte Rest. Einen kleinen Mangel habe ich jedoch gefunden, wer die Schuhgröße 45+ hat sollte ein wenig mit dem Auspuffrohr aufpassen, denn sonst schmilzt euer Absatz hinten am Auspuff an. Chapeau nach Frankreich meine Freunde, ein wirklich tolles Motorrad zum Schnapper Preis.

Die Astor knuddelt auch mal gerne

Technische Daten und Preise:

Marke: Orcal
Modell: Astor Café 125
Motor: 124 cm3 / 4-Takt, Einzylinder, luftgekühlt (Yamaha)
Bohrung: 54 mm x 54 mm Hub SOHC, 2 Ventile
Vergaser: 25 mm (made in Japan),
Getriebe: 5-Gang
Starter: Elektrostarter und Kickstarter,
Antrieb: Kette
Höchstgeschwindigkeit: 104 km/h real (115 km/h) bei 9500 U/min
Leistung in kW / PS: 7,1 kW / 10 PS bei 8500 U/min
Drehmoment: 9,5 Nm bei 6500 U/min,
Rahmen: Stahlrohrrahmen
Radaufhängung vorne: Hydraulikgabel 37 mm mit Faltenbalge als Steinschlagschutz
Radaufhängung hinten: Stahlschwinge mit 2 Stoßdämpfern, Druckstufe einstellbar
Bremse vorne: Hydraulische Scheibenbremsanlage 300 mm / 2-Kolben-Schwimmsattel
Bremse hinten: Hydraulische Scheibenbremsanlage 210 mm / Einkolben-Schwimmsattel, Felgen: Aluminium mit Edelstahlspeichen
Reifengröße vorne: 110/70 x 17 (mit Schlauch), Reifengröße hinten: 130/60 x 17 (mit Schlauch)
Sitzhöhe: 780 mm, Tankinhalt: 16 Liter
Leergewicht: 128 Kilogramm, Zuladung: 150 Kilogramm
Fahrzeugpreis: 2.590 Euro – Frachtkostenfrei!

Importeur für Deutschland ist die Firma MR Mototeam, Marktstrasse 2 in 65614 Beselich
Phone +49 6484 7084998, www.mrmototeam.de

Mein Fahrtest über die Orcal Astor Cafe 125 wurde im Kradblatt „Das norddeutsche Motorradmagazin“ in der Ausgabe Juni 2016 veröffentlicht.

Mein Dank hier noch einmal an Marcus Lacroix vom Kradblatt. 😉

Testfahrzeug von: www.opel-lammel.de
Klaus Lammel GmbH
Königsiepen 9
45259 Essen
Tel.: 0201/846070
E-Mail: info@opel-lammel.de

Copyright HellFire~> 2017

Die Bildergallerie vom Orcal Astor Cafe 125 Test, zum Vergrößern einfach drauf klicken:

Copyright HellFire~> 2017

Über Potato 31 Artikel
[=HFC~>Potato - YouTuber, Web Administrator, alter Sack und Call of Duty Spieler der ersten Stunde. Beruflich voll eingespannt. 🙂

4 Kommentare

  1. Hallo

    Supergeiles Teil die Astor.
    Habe vor mir ebnenfalls eine Astor 125 zuzulegen, da es angeblich in der 125ccm Reihe die Qualitativ bestverarbeitete und vom Material her die hochwertigste sein soll.
    Gibt es mittlerweile für das Jahr 2017 / 2018 ein ABS System für dieses Motorrad und was hat sich zu den Vorgängermodellen 2015 / 2016 geändert?
    Gibt es auch einen Importeur für Belgien?

    • Hallo Sven,

      der Importeur für die Benelux Länder soll auch das Mr. Mototeam sein.
      Leider habe ich noch keine verlässlichen Infos zu einem ABS, so wie es aussieht kommt ein CBS, also eine Kombi Bremse. Eine Einspritzung soll es auch geben wegen der Euro 4 Norm. Leider sind in diesem Jahr noch keine Maschinen in Deutschland eingetroffen, so das ich keine verlässliche Aussage treffen kann. Wende dich einfach mal an http://www.mrmototeam.de oder http://www.p2sbremen.de

      Grüße Potato

  2. Update zur Astor Café 125:

    Liebe Motorradfahrer /innen lieber Sven,

    es sieht so aus als ob die Astor in diesem Jahr nicht mehr den Weg zum Händler finden wird. Offensichtlich ist das Euro 4 Update nicht fertig geworden, denn diese tolle Astor ist aus dem Katalog von Orcal Frankreich verschwunden.

    Nur ein Bild auf der Startseite des Herstellers zeugt von dem Dasein dieser Maschine. Ich persönlich hoffe auf ein baldiges Wiedersehen mit diesem Motorrad denn die Astor hat das Zeug zu einem echten Topseller.

    All diejenigen die diese Maschine bereits besitzen kann ich nur beglückwünschen, denn zumindest für dieses Jahr besitzen die Reiter ein absolutes Unikat.

    Alle anderen sollten einen Blick nach Kreidler werfen und sich die CR125i einmal genauer anschauen, dazu erscheint auch bald ein Fahrtest.

    http://www.kreidler-motorrad.com

    Es grüßt euch Potato 😉

  3. Und noch ein Update zur schicken Astor:

    Meine penetrant energische Art beim Hersteller nachzufragen zahlt sich aus, denn auf meine Fragen bezüglich der Lieferfähigkeit der Euro 4 Modelle wurde gestern kurz und knapp geantwortet: „Mai 2017“.

    Wann die Astor dann hierzulande auftrifft und wer die Maschinen importiert kann ich noch nicht sagen, auf jeden Fall geht es mit der Orcal Astor weiter.

    Grüße Potato 😉

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