Zongshen RX 250i Test [Piaggio Zongshen Joint Venture]

Fahrbericht Zongshen RX 250i Adventure

Einmal Hähnchen süß/sauer bitte. Mit Reis? Nee Bratnudeln.

Wer kennt hier eigentlich die Marke Zongshen?
Keiner? Dachte ich mir und das ist auch nicht verwunderlich, denn Zongshen beliefert in erster Linie den asiatischen Markt mit technisch gutem Material. Mit dem bekannten italienischen Hersteller Piaggio arbeitet Zongshen schon viele Jahre in einem Joint Venture erfolgreich zusammen, aus dieser Zusammenarbeit ist bereits vor einigen Jahren die RX 250i entstanden.

Wer nun glaubt das sind schon alle Früchte dieser Zusammenarbeit der täuscht sich gewaltig, denn in fast allen Motorrollern von Piaggio werkeln seit Jahren die technisch ausgereiften Motoren von Zongshen. China Müll? Weit gefehlt, haltbar und Standfest lautet hier die Devise. Das im Hintergrund vieler Premium Hersteller irgendein chinesischer Hersteller arbeitet und viele Teile liefert oder gar ganze Modelle produziert, ist vielen Verbrauchern in Europa gar nicht bewusst. Zongshen ist übrigens im nahegelegenen europäischen Ausland schon am Markt präsent, nur Deutschland bleibt noch außen vor, die Betonung liegt auf noch.

Doch zurück zur Zongshen RX 250i

Man sagt das der erste Eindruck zählt und der ist bei diesem Motorrad wirklich gut, auch der zweite und dritte Blick auf die einzelnen Details dieses Fahrzeugs ist kurz gesagt prima. Da steht zunächst die enorm stabil aussehende Upside Down Gabel im Rampenlicht, die aus Alu gefrästen Gabelbrücken unterstreichen dann auch das die Verwindungsfestigkeit im Fokus der Entwickler stand. Meine Blicke schweifen weiter über den polierten Alu Lenker bis hin zu den Schaltereinheiten, diese bieten den Japan Standard den man von deutlich teureren Motorrädern gewohnt ist, Optik und Haptik zeigen dem Betrachter das hier auf Langlebigkeit Wert gelegt wurde.

Das Instrument stammt von Siemens und bietet zu den Standardanzeigen noch eine Motorkontrollleuchte und eine Ganganzeige, das Analog/Digitale Instrument wirkt aufgeräumt und ist gut ablesbar. Über einen Knopfdruck lässt sich das Instrument von Kilometer auf Meilen umstellen, hier in Deutschland ist das völlig unnötig. Diese Einstellmöglichkeit zeigt dem Fahrer das sich der Hersteller eine zweite Firmware für dieses Instrument eingespart hat.

Die Kunststoffverkleidungen fassen sich allesamt sehr gut an, die Spaltmaße sind ordentlich und die Lackierung ist auf einem hohen Qualitätsniveau, bei genauem hinsehen erblickt man am Tank mikro kleine Staubeinschlüsse, ein Umstand den ich auch schon bei Motorrädern aus japanischer Produktion erblicken durfte, damit kann man leben und man muss auch wirklich mit der Lupe danach suchen.

Die Schweißnähte sind ordentlich verarbeitet, hier gibt es nichts zu bemängeln, die Nähte gehörten bisher immer zu den hauptsächlichen Schwachpunkten bei den Zweirädern aus dem chinesischen Raum. Der Schalthebel und Fußbremshebel bestehen aus Leichtmetall, die Fußrasten für Fahrer / Sozius sind mit einer Gummieinlage versehen, diese Einlagen sorgen dafür das die ganz feinen Vibrationen nicht an die Füße der Reiter weitergegeben werden, so etwas gehört in die Kategorie schönes Detail.

Der gute Eindruck geht auch bei den beiden Sitzbänken nicht verloren, Material und Verarbeitung passen zu dem Rest des Motorrades. Das zentrale Federbein hinten lässt sich in der Druck- und Zugstufe! einstellen, das Werkssetup ist auf sportlich straff eingestellt, allerdings lässt das Federbein einiges an Einstellarbeiten zu so das die passende Einstellung schnell gefunden sein sollte.

Die Beleuchtungseinheiten der Zongshen sind up to Date, ein Halogenscheinwerfer mit LED Tagfahrlicht und 3D Linsen Optik, ein LED Rücklicht, LED Blinker und eine LED Nummernschildbeleuchtung sind heute Stand der Dinge und hängen der Technik nicht hinterher. Ob es zukünftig Voll-LED Scheinwerfer geben wird ist unklar, selbst der Importeur konnte diese Frage zum jetzigen Zeitpunkt nicht beantworten. Das Instrument besitzt übrigens eine weiße Hintergrundbeleuchtung natürlich ebenfalls mit LED Technik.

Kommen wir zum Herzstück dieser Maschine, dem 250ccm Einzylinder Einspritzmotor mit Flüssigkeitskühlung. Der kleine Motor bietet eine Einspritzanlage von Delphi inklusive Lambda Regelung und Katalysator, mein Test-Motorrad bringt noch die Euro-3 Norm mit, wenn Ihr das hier gelesen habt gibt es diese Maschinen natürlich schon mit der aktuellen Euro-4 Norm. Der Motor springt nach ein paar Umdrehungen des Anlassers sofort an und schnurrt völlig frei von metallischen Nebengeräuschen, ein paar Geräusche kommen allerdings von der Kupplung und zeigen auf das dort im Kupplungskorb genügend Spiel vorhanden ist damit an diesem Bauteil nichts verklemmen kann.

Dieser Motor giert förmlich nach Drehzahlen und drückt für seine Verhältnisse ganz ordentlich an, leider ist das typische Einzylinder Bollern nicht zu vernehmen, der Motor klingt eher nach einer Singer Nähmaschine, aber was soll für ein legaler Sound aus einem gerade einmal 250ccm kleinen Motor herauskommen? Die Gänge rasten mit einem schnalzen butterweich ein und das ist auch gut so, denn das Getriebe muss wenn man zügig voran kommen möchte ordentlich durchgesteppt werden.

Ab 4000 upm Motordrehzahl geht es zügig voran und der Motor gibt sein bestes, er dreht stets klaglos bis in den Drehzahlbegrenzer hinein. Geschwindigkeiten bis 130 km/h sind schnell erreicht, danach wird es etwas zäh, es reicht dann aber trotzdem bis knapp an die 150 km/h Tachoanzeige heran, genauer gesagt standen bei Höchstgeschwindigkeit 149 km/h auf dem Display, natürlich ohne starken Gegenwind und auf einer ebenen Fahrbahn. Reell sollten das dann knappe 140 km/H sein, denn auch das Zongshen Instrument zeigt wie bei allen anderen Mitbewerbern natürlich etwas mehr an. Bei meinen knappen 100 Kilogramm Körpergewicht ist das trotz allem ein sehr guter Wert, zumal man wirklich absolut aufrecht auf der Zongshen thront und dem Fahrtwind somit viel entgegensetzt. Während der Fahrt sollte die Motordrehzahl nicht unter die 3000er  Drehzahl-Marke fallen, ansonsten wird der Fahrer mit einem typischen auf die Kette hacken „belohnt“, ein solches Verhalten kennt man noch aus den frühen 1980er -1990er  Einzylinder-Jahren.

Das Fahrverhalten ist mit dem eines Fahrrades zu vergleichen, die Zongshen lässt sich absolut neutral und Federleicht durch die Kurven und den Großstadt-Dschungel dirigieren. Die Standard China Bereifung der Marke CST (Maxxis) bietet dem Fahrer ungewöhnlich viel Rückmeldung in den ersten Schräglagenwinkeln, danach wird es allerdings etwas ungemütlich und die noch neuen Reifen fangen leicht an zu schlingern und wirken leicht kippelig. Die serienmäßig vorhandene Reifenkombi sollte bei jedem Ausflug mit der RX ordentlich warm gefahren werden, dann klappt es auch mit der Kurvenlinie. Ich würde aufgrund der etwas merkwürdigen Reifengrößen eine Reifenkombination vom „Reifenwerk Heidenau“ empfehlen, bei dem nur 15 Zoll abmessenden Hinterrad wird die Reifenwahl hier in good old Germany etwas eingeschränkt, schon irgendwie lustig diese Chinesen.

Die geringe Sitzhöhe von nur 795 mm bietet auch kleineren Fahrern und Fahrerinnen sicheren Stand unter den Füßen, größere Fahrer bis 190 cm fühlen sich aber ebenfalls absolut wohl auf der RX3.

Nach über 70 Kilometern Fahrstrecke schmerzt mir auf der Zongshen das Steißbein, die Mulde der Sitzbank drückt an der gewissen Stelle schon ordentlich. Vielleicht ein Umstand meines Alters, denn ich bin mit den zunehmenden Jahren schon irgendwie ein bisschen weinerlich geworden. 😉

Nach meinem Test muss ich zugeben das mir die RX250i recht gut gefällt, ein Umstand den ich mir vor der Testfahrt nicht erträumt hatte. Bei der RX3 kann man erkennen das die Chinesen sehr wohl in der Lage sind gescheite und wertige Motorräder zu bauen und diese Zongshen ist auch kein wirklicher Billigheimer. Für knappe 5.000,- Euro erhält der Käufer ein grundsolides und gut verarbeitetes Fahrzeug, welches obendrein auch noch ordentlich Spaß bereitet. Ist die RX ein China Böller? Nein ist sie nicht, bei diesem Zweirad erkennt der Fahrer das die Chinesen bemüht und willig sind den von uns geliebten „Japan Standart“ zu erreichen.

Ich gebe der Zongshen RX3 in der Gesamtnote ein Gut mit einem Zusatzbonus für den Exoten Status, denn wer die Zongshen fährt wird auf den diversen Motorradtreffs sicherlich schnell in Gespräche rund um dieses Motorrad verwickelt.

Im Osten dieser Welt wird die Zongshen vielfach als Label Produkt verkauft, z.B. als Minsk TRX 300i in Russland. In Europa bzw. in England heißt das gleiche Modell Honley Venturer.

Als CSC RX3 wird dieses Motorrad mit Erfolg in den USA vertrieben und das soll ja mal etwas heißen, ich würde behaupten westlicher geht es nicht mehr. Hier noch der Link zu CSC: http://www.cscmotorcycles.com

Zongshen ausgesprochen = Song`schen

Technische Daten kurz:

Robustes Adventure Bike
Wasser gekühlter Einspritzmotor
Leichtstahl -Chassis
Upside-Down-Gabel
Zentralfederbein hinten einstellbar in Druck- und Zugstufe
LED-Positionslampen
Digital/Analog-Instrument (Siemens)
210mm Bodenfreiheit
Anzahl der Sitze: 2
Trockengewicht (kg): 155
Optinional erhältlicher Koffersatz für Seiten und Gepäckträger

Technische Daten ausführlich:

Modellbezeichnung: Zongshen RX3 ZS250GY-3
Hubraum: 250 ccm
Motortyp: 1-Zylinder, 4-Takt- Wassergekühlt
Leistung: 19,12KW/26 PS  bei 8000 upm
Kraftstoffaufbereitung: Elektronische Einspritzung von Delphi mit Lambda Regelung
Kraftstoffverbrauch: ca. 4 Liter auf 100 km
Tankinhalt: ca. 16 Liter
Starter: Elektrostarter
Getriebe: 6 Gang
Vorderreifen: 100 / 90-R18 CST
Hinterreifen: 130 / 90-R15 CST
Länge: (mm) 2080 Höhe: (mm) 1230 Breite: (mm) 825
Radstand: 1420 mm
Bodenfreiheit (mm) 210
Maximale Geschwindigkeit: >140 km/h
Anzahl der Sitze: 2
Trockengewicht: 155 kg
Zuladung: 175 kg
Sitzplätze: 2
Sitzhöhe Fahrer: ca. 795 mm

Importeur für Deutschland: Mr. Motorteam – Beselich, http://mrmototeam.de/rx3

Testfahrzeug von: www.opel-lammel.de
Klaus Lammel GmbH
Königsiepen 9
45259 Essen
Tel.: 0201/846070
E-Mail: info@opel-lammel.de

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Bildergallerie Zongshen RX 250i, zum Vergrößern einfach auf ein Bild klicken:

Über Potato 31 Artikel
[=HFC~>Potato - YouTuber, Web Administrator, alter Sack und Call of Duty Spieler der ersten Stunde. Beruflich voll eingespannt. 🙂

5 Kommentare

  1. Hallo,

    kann dem Bericht nur positiv bewerten, da ich genau dieses Motorrad für meine Freundin kaufte und es sich so wie beschrieben fährt.
    Leider fährt sie nicht mehr und ich werde die RX-3 wieder verkaufen.

    • Hallo Benbiker,

      Zongshen gehört zu den besseren Marken aus dem Land des Lächelns, wie ich seinerzeit festgestellt habe ist die Qualität dieser Maschinen sehr hoch. Schade das deine Freundin kein Motorrad mehr fährt. Ich wünsche dir viel Glück beim Verkauf dieser tollen Maschine, leider haben ja viele Motorradfahrer Vorurteile gegen Motorräder aus Fern Ost. Bei dieser Maschine muss man keine Angst haben. Ich drücke dir die Daumen.

      Grüße Potato

      • Hallo Potato,

        danke Dir und hoffe dass das Motorrad bald in gute Hände kommt.

        leider hast du recht mit den Vorurteilen bzgl. China obwohl viele gar nicht wissen wieviel China in ihrem (premium) Bike steckt!

        Die Zongshen steht zum Verkauf im Kundenauftrag bei meinem Motorradhändler (in Menden) und kann dort besichtigt werden.

        Gruß

        Benbiker

  2. Hallo Leute,

    hätte nicht gedacht in D was über dieses Bike zu lesen.
    Zongshen (RX-3)kannte ich auch nicht, bis ich es im Griechenlandurlaub fuhr und war nach paar Tagen begeistert. Abseits der Strassen war die Leistung sogar ausreichend und das Ansauggeräusch verfühte zum Gas geben obwohl nur eine 250er.
    Auf Youtube findet man einige Videos dazu u die Mopeds werden weltweit unter verschiedenen Labels verkauft.
    Z.B CSC Motorcycles in den USA.
    Scheinen echt was zu taugen.

    LG
    Carlow

    • Hi Carlow,

      Zongshen ist meiner Meinung nach eine klasse Marke.

      Leider ist das in Deutschland so das die Motorradfahrer eine große Abneigung gegen die Motorräder aus China haben, aus der Vergangenheit ist das ja auch irgendwie berechtigt.

      Allerdings lernen auch die Menschen aus dem Land des Lächelns dazu, das zeigt Zongshen eindrucksvoll mit dieser Maschine und auch die Marke CFMoto baut mittlerweile sehr gute Motorräder.

      Vielleicht findet irgendwann einmal ein Umdenken statt und es gibt dann einen Importeur der dazu noch gute Arbeit leistet, das wäre doch für alle Moped Fahrer eine gute Sache.

      Schade wenn das im Sande verlaufen würde.

      Grüße Potato

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