Gebraucht Test [Suzuki DL650 V-Strom]

Schon wieder was neues? Muss doch nicht sein……

Jedes Jahr das gleiche, der Winter ist vorbei – bei Tante Käthe im Garten sprießen die ersten Blümchen und das Kribbeln in der rechten Hand wird mal wieder unerträglich.

Ja ja darauf kann man sich verlassen, also auf zur Garage oder einfach die Abdeckplane runter und man sieht sofort das Objekt seiner Begierde. Aber halt, wie alt ist das Moped jetzt schon, wieviele Kilometer stehen auf dem Tacho? Auweia es wird mal wieder Zeit für etwas neues.

Das Neu nicht immer gleich Fabrikneu bedeuten muss macht Sinn, nicht jeder hat einen Geldspeicher daheim oder will auf biegen und brechen ein neues Motorrad kaufen, also bedient man sich am schier unendlich erscheinenden Gebraucht-Fahrzeug-Markt im World Wide Web. Vorzugsweise sucht man sitzend von der bequemen heimischen Couch aus nach einem unverschämt günstigen Angebot.

Eine teils schwierige Aufgabe

Aber welches Fahrzeug kommt denn nun in Frage? Wie alt soll der neue Schrubber maximal sein und wieviele Kilometer dürfen auf dem Tacho stehen? Sind diese Fragen und das Abklopfen der finanziellen Dinge geklärt kann es losgehen. Wer sich für eine auch in den Folgekosten günstige Reiseenduro interessiert der sollte nun weiter lesen, denn eine Suzuki DL 650 V-Strom ABS könnte auch für euch eine interessante Alternative sein.

Was glotzt Du so eindringlich?

Als ich die letzten paar Meter in Richtung V-Strom 650 laufe muss ich feststellen, das der spitze Doppelscheinwerfer schon ein wenig so aussieht wie ein Falke der sich im Sturzflug gerade eine Maus packen will. Die kommt im Rückspiegel gar nicht mal schlecht denke ich mir und schlendere aufmerksam um das gesamte Moped. Dann sehe ich den bösen Griff ins Klo, was ist das denn bitte für ein Heck? Fatale Tat, wirkt die Suzi vorne und von der Seite optisch sehr gefällig so passt dieses Heck höchstens an einen Unimog, aaargh wie gut das ich dieses „Design-Monster“ nicht während der Fahrt sehen muss.

Großes Motorrad, aber absolut handlich

Im Vorfeld habe ich mich bereits damit beschäftigt und gelesen das es für die DL ein Zubehör Heck von Barracuda gibt. Einfach den Nummernschildhalter tauschen ist nicht, denn bei der V-Strom ist an dieser Stelle alles aus einem Guss, ein echter Mutant dieses Heck Dingens. Falls euch das nicht stört dann habt ihr auf jeden Fall einen richtig wirksamen hinteren Spritzschutz, Respekt an diesen Sehnervgestörten Japaner.

Jetzt mal nicht daran hochziehen der Herr

Okay, also drauf auf das Moped.

Hochziehen muss sich da niemand und man sitzt auch sofort sehr kommod, die Übersicht wirkt wirklich gut. Ab 175 cm stehen die Füße des Treibers sicher auf dem Boden, was die V-Strom auch für kleinere Fahrer interessant macht. Ich selbst bin 184 cm groß und sitze sehr gut auf der nicht gerade mickrigen Maschine, die Suzi hat schon ordentliche Abmessungen und wirkt im Stand wie eine tausender Enduro. Die Sitzbank trällert ein Lied von den Alpen und das man doch direkt sitzenbleiben soll denn es geht ja jetzt sofort los, Arschbequem sage ich da nur.

Ich schaue mal kurz zum Instrument und meine Augen können das klar ablesbare analoge Instrument erblicken, der Drehzahlmesser und die Geschwindigkeitsanzeige können ausnahmslos gut entziffert werden. In der Mitte der Anzeigen thront eine digitale Anzeige für Motortemperatur, Tankinhalt, Uhrzeit sowie den Gesamt- und Tageskilometerzähler. Nicht gerade schick aber zweckmäßig, die Kontrollleuchten für ABS und Motorelektronik befinden sich ebenfalls im Kombiinstrument der V-Strom 650.

Gut ablesbares Instrument mit Standard Informationen

Optik und Verarbeitung

Noch einmal absteigen und rund ums Moped laufen um alles mit Argusaugen zu begutachten, es fällt ein leichter Rostansatz am Auspuff und den hinteren Fußrasten auf, Kleinigkeiten die unschön aussehen aber technisch nicht bedenklich sind. Die Gummitüllen am Bowdenzug der Kupplung und den Gaszügen wirken porös und ungepflegt, ein bisschen Gummipflege in den jungen Jahren hätten hier Wunder gewirkt. Nach 9 Jahren Nutzungsdauer sind die angegebenen Mängel jedoch gut zu verkraften und eigentlich normal, der Kilometerstand von nur 24.000 km entschädigt da direkt wieder und zaubert mir ein Grinsen ins Gesicht.

Ärgerlich, Rost am Auspufftopf, muss nicht sein.

Der Fahrzeuglack ist nach den langen Jahren in einem tadellosen Zustand und glänzt wie eine Speckschwarte, auch die schwarzen Rahmenteile, die Gabelholme und die Schwinge sehen Top Fit aus, schick schick.

Nicht original sind die schwarzen Blinkergläser die deutlich dezenter wirken als die gelben original Bratpfannen. Zusätzlich wurde ein ABM Lenker montiert der ziemlich gerade und ein wenig breiter ist als der original Lenker der DL 650. Mit diesem breiten ABM werden lange Ausflüge zum Genuss, die breite und gerade Stange macht Spaß und wirkt total entspannend.

Getz aber mal los jodeln

Also starten und staunen denn der Suzuki V2 Motor läuft vom Start weg seidenweich, dank der Einspritzanlage und der Twin Spark Technology (zwei Zündkerzen pro Zylinder) benimmt sich das ausgereifte Triebwerk sehr manierlich. Die vorhergehenden Motorengenerationen in den Modellen der SV 650 liefen da noch deutlich rauer und ruppiger bzw. ärgerten teilweise durch ruckeln im Schiebebetrieb. Hier ist alles vergeben und vergessen, das 67 PS starke Triebwerk punktet mit Laufruhe und prima Antritt aus den unteren und mittleren Drehzahlbereichen, das macht Freude auf kurvigen Landstraßen, jetzt merke ich das die V-Strom genau dafür gebaut wurde.

Ausgereifter und manierlicher Motor, nur zickig bei Fotoaufnahmen

Hochgeschwindigkeiten sind der Suzi ein Fremdwort, sie ist daheim auf Straßen mit engen Kehren, da ist es auch egal ob es Bergauf Bergab oder Geradeaus geht, die V-Strom liegt wie ein Brett auf dem Parkett und klebt förmlich in den Kurven auf dem Asphalt fest. Die montierten Bridgestone Reifen funzen auf dem Moped wirklich super. Boah macht das Freude zumal die Maschine fast von alleine fährt und nur minimale Impulse benötigt um in die Kurven zu fallen. Jipiiiiiiiiie jodel ich unter meinem Helm und drehe nach jedem Kurvenausgang am Gas um wieder einmal den fantastischen Motor unter mir zu spüren.

Die Fahrwerksabstimmung ist im Werksetting gut nur die Gabel könnte einen Tick härter sein, denn diese schiebt sich beim Bremsen schon ordentlich zusammen. Die Federbasis hinten lässt sich ganz einfach per seitlichen Drehrad in der Druckstufe verstellen, es sollte hier auf Freigängigkeit des Drehrades geachtet werden und ob sich der Druckkolben am hinteren Federbein auch bewegt, dies kann man von außen gut erkennen.

Gibt es Schwachpunkte?

Ja die gibt es tatsächlich, die Anfangs erwähnte unschöne Sache mit den Rostansätzen am Auspuff muss einfach nicht sein, hier hat Suzuki eindeutig zu viel gespart und schlechtes Material eingesetzt. Der Rost an den Fußrasten hinten kann man vergessen, der ist einfach nur ärgerlich und unschön.

Rost an Fußrasten, dagegen hilft nur Pflegen

Der Bremshebel vorne wirkt ein wenig teigig und der Druckpunkt wirkt so als wandere er teilweise ein wenig hin und her. Die Bremsleistung an sich ist gut und man benötigt auch nicht wirklich viel Handkraft, an den großen Leerweg des Hebels muss man sich jedoch erst einmal gewöhnen. Das ABS setzt früh ein und lässt sich durch ein deutliches Regeln wahrnehmen, auf trockener sowie nasser Fahrbahn regelt das Suzuki ABS einwandfrei und problemlos.

Die Verkleidungsteile verformen sich im Laufe der Jahre durch Sonneneinstrahlung, Temperatureinwirkungen und Vibrationen um Millimeter, was im Umkehrschluss bedeutet das die Verkleidungsteile zwar halten aber die Spaltmaße natürlich unschöner werden. Das gilt nicht nur für die V-Strom Modelle sondern für alle in die Jahre kommenden Maschinen.

Wertung der Maschine

Die Suzuki V-Strom 650 ABS Modelljahr 2008 erhält von mir eine Gute Wertung, die Maschinen sind für Anfänger, Wiedereinsteiger und Fortgeschrittene eine gute Wahl. Es gibt massig Zubehör für diese Motorradmodelle, die Haltungskosten sind gering bis mittel und der Kraftstoffverbrauch ist mit gerade einmal 4,2 – 4,6 Litern im maximum sehr gut.

Gute V-Strom 650 ABS Modelle ab Baujahr 2007 gibt es bereits ab 2.800 Euro – 4.400 Euro, wobei hier die Preise abhängig vom Baujahr und dem Kilometerstand sind. Achtung: alle 24.000 Kilometer müssen die Ventile eingestellt werden, also fragt nach der Wartung, dann habt ich noch verhandlungspotential beim Kauf einer solchen Maschine.

Worauf achten?

Für alle Maschinen gibt es beim Gebrauchtkauf Regeln zu beachten, achtet besonders auf folgende Dinge:

  • Lenkkopflager Spiel/Freigang
  • Lenker/Hebel/Schalter
  • Motor/Getriebe (Geräusche + Ölverlust etc.)
  • Bremsanlage (Freigang, Belagstärke, Scheibendicke, Schläuche etc.)
  • Kühlsystem (Kühler, Dichtheit, Schläuche, Pumpe etc.)
  • Motorölkühler ( Steinschläge, Verstopfung durch Dreck etc.)
  • Kraftstoffsystem (Tankdeckel, Dichtigkeit etc.)
  • Räder und Reifen (Verschleiß, Beulen, Risse etc.)
  • Gabel und Federbein (Steinschläge, Undichtigkeiten etc.)
  • Elektrik, Beleuchtung (geht alles, original, E-Nummer etc.)
  • Auspuff (Rost, original Teil, eingetragen etc.)
  • Kette und Schwinge (Verschleiß, Verformt, Spiel etc.)
  • Probefahrt durchführen
  • Alle Papiere vorhanden???
  • Bauchgefühl (Hat man ein schlechtes Gefühl = nicht kaufen)

 

Technische Daten / Hauptdaten:

Modell: Suzuki DL650 V-Strom ABS

Baujahr: 2007 – 2011
Motor: 2 Zylinder Viertakt V-Motor
Kühlung: Wasser und Ölkühlung
Hubraum: 649 ccm
Gemischaufbereitung: Elektronische Einspritzanlage mit Lambda Regelung
Drosselklappen: 39 mm Durchmesser
Zündung: CDI – TWIN SPARK
Leistung: 49 KW / 67 PS
Gewicht vollgetankt: 197 Kilogramm
Gesamtgewicht: 415 Kilogramm
Sitzhöhe: 790 mm – 820 mm
Bremsanlage vorne: Doppel-Scheibenbremse mit Schwimmsattel
Bremsanlage hinten: Einzel-Scheibenbremse mit Schwimmsattel
Bremssystem: Hydraulisch – ABS, Sensor vorne und hinten
Reifen vorne: 110/80- R 19
Reifen hinten: 150/70 R 17
Tankinhalt: 20 Liter

Hier geht es zum Barracuda Heck:

https://www.barracudamoto.de/motorrad/barracuda-kennzeichenhalter-suzuki-v-strom-650.html

Copyright HellFire~> 2017

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