Fahrtest Kreidler Dice CR125i [Modelljahr 2017]

Test Kreidler Dice CR125i

Mein Knie ist fast gänzlich wiederhergestellt und das Wetter ist super, was geht ab?

Klar, der versprochene Kreidler Dice CR 125i Fahrtest steht an und das sieht doch gut aus.

Früher war ja eh alles besser….. nee eben nicht.

Wie bereits in den Vorankündigungen zu diesem Artikel beschrieben kommt mir dieser Anblick der Dice ja irgendwie bekannt vor, oder etwa doch nicht? Die Tank-Sitzbank Linie ruft auf jeden Fall Erinnerungen in mir hoch die beschwören dass ich dieses Motorrad in der Vergangenheit schon einmal gesehen habe.

Retro ist totschick das steht für mich schon mal fest und bei der CR125i wirkt alles wie aus einem Guss, da passt alles zusammen bis auf die sehr modern wirkende Upside-Down Gabel, die zwar nicht alt aussieht dafür aber einen ordentlichen Dienst verrichtet. Der aus Metall gefertigte vordere Fender haut die optische Ungereimtheit wegen seiner schmalen Bauform wieder raus, im Zusammenspiel mit der bekannt wirkenden Racing Cockpitverkleidung und den Speichenfelgen sieht die CR einem Sportler aus den frühen 70er Jahren sehr ähnlich, Angriff auf die Jogurt Becher? Eher nicht, aber dazu später mehr.

 

Gift, sorry, Racinggreen, geile Farbe

 

Alles Apfel oder was?

Die Farbe „Racinggreen“ sieht in der Sonne klasse aus und die neidischen Blicke der Passanten am Straßenrand sind euch mit dieser Maschine sicher, fast jeder bleibt mit offenem Mund und tellergroßen Augen stehen. Auch in „Racingorange“ sieht die CR einfach Klasse aus und weckt noch weitere Erinnerungen an die qualmenden Zweitakt-Stinker aus den siebziger Jahren.

Der schwarze Stahlrahmen ist gut verschweißt, hier und da sind ein paar Nippel an den Nähten zu sehen, aber im Großen und Ganzen wirkt er durchweg ordentlich verarbeitet. Neu ist auch die Riffelung der Sitzbank die dafür sorge trägt das man beim Gas geben mit dem Popo nicht nach hinten rutscht, obwohl man bei der Leistung eines 125 ccm Motors davor normalerweise keine Angst haben muss. Im Gesamtbild wirken diese Sitzbänke im Vergleich mit den Vorjahresmodellen wesentlich hochwertiger, die „alten“ Fahrzeuge hatten nicht ganz so schöne und glatte Kunstleder-Imitat-Bezüge.

Die Lackierung ist sehr gut, es sind keine Nasen oder Lackläufer zu sehen, auch keinerlei Schmutzeinschlüsse stören das Gesamtbild, da hat Kreidler in den vergangen Jahren dazugelernt und liefert eine mängelfreie Farbschicht ab.

 

Sauber lackiert, sieht scharf aus und spiegelt

 

Für Holländer? Gibt es auch in orange, ebenfalls sauber lackiert

 

Der Motor ist doch ein alter Bekannter

Der altbekannte Suzuki Motor arbeitet nach der neuesten Euronorm 4*, das sieht man mit einem Blick auf den Tachometer, welcher zwar die Drehzahl nicht anzeigt dafür aber eine Ganganzeige eine Reserveleuchte und eine „Motorkontrollleuchte“ bereithält.

Wo letztes Jahr noch ein Vergaser aus japanischer Fertigung seinen Dienst verrichtet hat sitzt ab sofort eine elektronische Einspritzanlage, diese sorgt mit Hilfe einer Lambdasonde** für eine optimale Verbrennung. Das verwendete Delphi Steuergerät arbeitet natürlich mit dem aktuellen OBD (On Board Diagnose***) Protokoll. Die Leistung des Motors wurde durch die Implantation einer Einspritzanlage nicht erhöht, Kreidler gibt die gleiche Leistung wie bei den Vergasermotoren an, das sind 8,4 KW = 11,4 PS. Die Fußnoten mit Stern findet Ihr im Artikel weiter unten!

 

Alter Bekannter, Suzuki Motor jetzt neu mit Einspritzung

 

Auf die Kreidler fertig los…..

Einen Choke Hebel braucht man wegen der vorhandenen Einspritzung nicht suchen, was für eine Wohltat. Nach Druck auf den Starterknopf erwacht das kleine Motörchen zum leben und läuft sofort seidenweich im Leerlauf, eine kleine Drehzahlerhöhung direkt nach dem Startvorgang verhindert ein Absterben des Triebwerks.

Der Motorensound klingt angenehm dumpf und hört sich nach deutlich mehr an als die 125 ccm, kein großartiger Qualm oder Gestank entweicht dem aus Edelstahl gefertigten Auspuff mit Katalysator, vielen Dank an die Euro 4.

Die Kupplung lässt sich leicht betätigen bietet aber dabei einen deutlichen Druckpunkt, dies fühlt also nicht wie ein Leberwursthebel an wie bei einigen anderen 125er Modellen. Die Gänge flutschen beim schalten butterweich und mit deutlich zu spürenden Rastpunkten in die nächstgelegenen Verzahnungen hinein.

 

Dumpfes Bollern von hinten, nicht laut aber kernig….

 

Über Stock und Stein, Bodenwellen müssen sein.

Die kurzen Lenkerstummel liegen super in den Händen und man sitzt trotz dieser mini Griffe sehr aufrecht auf der Maschine, fein gemacht denn diese Stummel deuten auf die in den 70er Jahren sehr beliebten M-Lenker hin. Diese M-Lenker waren damals fast immer illegal angebaut und bei der Rennleitung nicht gerne gesehen, bei den diversen Verkehrskontrollen gab es dann mecker vom Förster. Die Sitzbank ist bequem und schmiegt sich mittelhart an meinen Hintern an, so machen auch lange Passagen mit der Kreidler richtig viel Spaß.

Die dicke Upside-Down Gabel und die hinteren Stereo Federbeine sind erstaunlich schluckfreudig, auch harte Bodenwellen können mit der Dice angstfrei genommen werden, man muss keine Panik haben von der Sitzbank zu fliegen oder die Kontrolle über das Zweirad zu verlieren.

Die CR125i fährt wie von alleine, bereits kleinste Impulse reichen aus um die Maschine in Schräglage zu bekommen, erstaunlicher Weise arbeiten die mir unbekannten und aus chinesischer Fertigung stammenden Timsun Reifen einwandfrei, nix kippelt oder wabbelt im Fahrwerk das schafft Vertrauen in die Maschine, zumindest auf trockener Fahrbahn, geregnet hat es auf der Probefahrt nicht.

 

Stoßdämpfer hinten, einstellen ist Pflicht, kein Hakenschlüssel dabei 🙁

 

Hochgeschwindigkeitsfahrten ausgeschlossen

Da die mir zur Verfügung gestellte Dice CR125i eine völlig neue Maschine ist will ich keine dauerhaften Höchstgeschwindigkeiten fahren, nur mal kurz alle Gänge durch beschleunigt und auf das Tacho geschaut. Hier stehen dann bei meinem Körpergewicht von knappen 100 Kilogramm 105 km/h auf der Anzeige. Wie gesagt wäre wohl noch mehr gegangen aber ich wollte dem neuen Motor keinen dauerhaften Schaden zufügen, hier ist einfahren noch Pflicht.

Um mit der Kreidler schnell voran zu kommen müssen alle Gänge zügig durchgesteppt werden, ein hochjubeln bis in den Drehzahlbegrenzer bringt keine Vorteile bei der Beschleunigung. Die Maschine fühlt sich im Bereich von 50-90 km/h so richtig wohl, also ist die Flory… ups sorry, die Dice eher etwas für die Stadt und die Landstraße. Ein dauerhaftes fahren auf der Autobahn empfehle ich keinem 125er Fahrer, das nervt wegen der dort fahrenden LKW und der rücksichtslosen PKW Fahrer doch gewaltig.

 

Posieren geht auch, kleine Pause bitte 🙂

 

Das Pendel des Todes

Ab ca. 95 km/h neigte die mir unter dem Hintern klebende Dice zu einem leichten Pendeln im Fahrwerk, nicht gefährlich aber irgendwie störend. Das Lenkkopflager war es nicht, vielmehr habe ich in Feinarbeit die hinteren Dämpfer in der Druckstufe eingestellt und konnte dadurch das Pendeln auf ein kaum noch zu spürendes Minimum reduzieren.

Wie fährt sie denn nun die Kleine?

Insgesamt lässt sich die CR125i von Anfängern und von Fortgeschrittenen einwandfrei bewegen, auch die Bremsanlage reicht in der Wirkung völlig aus. Hierbei handelt es sich um eine Kombibremsanlage kurz CBS, wird hinten mit dem Bremspedal gebremst bremst man automatisch auch vorne mit. Das System lässt sich einfach ausfindig machen, denn am vorderen Bremssattel befinden sich zwei Bremsleitungen und drei Bremskolben. Der in der Mitte des Bremssattels angebrachte Kolben hat eine Verbindung zum hinteren Bremshydraulikzylinder und wird wie gerade beschrieben durch Druck auf das Bremspedal mit betätigt. Das Funktioniert so einfach wie in der Beschreibung und bietet somit auch Angstbremsern die überwiegend hinten bremsen weiterhin volle Kontrolle über Ihr Zweirad, gut gemacht Kreidler.

Die Dice CR125i ist kein ausgemachter Sportler aber auch keine lahme Krücke, wer die Renne liebt kauft hier verkehrt, wer gerne in der Stadt bzw. auf dem Land unterwegs ist und Stressfrei sowie auch relativ gemütlich ankommen will, der ist mit der Kreidler bestens bedient. Der Motor ist völlig Ok und macht im dritten und vierten Gang besonders viel Freude, da er in diesen beiden Gängen besonders elastisch wirkt.

 

Kurven müssen, die machen mit der CR auch richtig Spaß

 

Hast Du Kontaktprobleme ?

Zwischenmenschlich wird es mit dieser Kreidler sicher keine Kontaktprobleme geben, denn die Optik zieht die Menschenmassen magisch an, Sprüche wie: „Ey die habe ich früher auch gefahren“ oder „Kreidler? Die gibt es noch?“ sind euch auf jeden Fall sicher. Auch dass diese Maschine geil aussieht werdet ihr wohl öfter hören, so ist es mir auf jeden Fall ergangen. Die älteren Motorradfahrer erzählen euch so wie ich auch einen Schwank aus ihrer Jugend, auch das Kreidler damals die schnellsten 50er gebaut hat, was durch den Geschwindigkeitsrekord von 1965 zusätzlich unterstrichen wird. Der Werksfahrer Rudolf Kunz fuhr in einer speziell entwickelten 50 ccm Rennmaschine auf einem Salzsee in Utah mit 15 PS (15.000 upm) sensationelle 210,634 km/h schnell !!!

 

Beide Daumen hoch für eine tolle Maschine

FAZIT:

Mein Fazit: Grell, Geil, Kreidler. Mit diesen Preisen sind die Dice CR125i Maschinen ein verlockendes Angebot für die Liebhaber schöner Retro Cafe Racer. Mit meinen 184 cm passe ich gut auf diese Maschine und sitze dabei sehr bequem, auch kleinere Menschen haben auf der Dice einen guten Stand, denn die Sitzhöhe ist mit gerade einmal 740 mm sehr niedrig ausgefallen. Alle Schalter und Bedieneinheiten sind problemlos zu handhaben. Natürlich findet die Fertigung der Kreidler Zweiräder in Fernost statt so wie auch bei vielen anderen bekannten Marken, dort wird speziell für den europäischen Raum mit dem Anspruch auf Qualitätsware gebaut und das hat hier super geklappt.

Ich kann diese Maschinen uneingeschränkt weiterempfehlen, bitte mehr davon.

Wertung:

Optik: 5/5
Verarbeitung: 4/5
Fahrwerk: 4/5
Motor: 4/5
Fun: 4/5
Preis: 5/5

Gesamt: 4,3 von 5 Punkten

Technische Daten und Preise:

Motor: 125ccm Einzylinder Viertakt
Leistung: 8,4 KM / 11,4 PS
Digitale Einspritzanlage mit Euro 4 Norm
Elektro Starter
Höchstgeschwindigkeit: > 105 km/h
5 Gang Schaltgetriebe
Bremse: CBS Kombi Bremssystem, Bremsscheiben vorne und hinten
Sitzhöhe: 740 mm
Leergewicht vollgetankt: 112 KG
Ganganzeige, Edelstahl- Auspuffanlage, LED Rücklicht, LED Blinker, Drahtspeichenräder mit Aluminiumfelgen und Edelstahlspeichen, Upsidedown Telegabel, hydraulische Stoßdämpfer hinten in der Druckstufe einstellbar…..
Farben: Racing Orange, Racing Grün
Garantie ab Zulassung: 2 Jahre

Preis: 2.999,- Euro (Preisliste: 05.2017)

Testmaschine von: Klaus Lammel GmbH, Königisiepen 9, 45259 Essen, Tel: 0201/846070

www.opel-lammel.de

Fotos: Marcus Herges, Potato (Neues Fotomaterial wird nachgereicht, einige sind leider etwas verwackelt)

* = Euronorm 4

** = Lambdasonde

*** = On Board Diagnose

 

Bildergallerie, zum vergrößern der Bilder einfach drauf klicken.

 

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2 Kommentare

  1. Sehr geil, gefällt mir. Als Kind der 70er/80er bekommt man gleich Lust draufzusitzen und loszufahren. Ich werd mir mal eine anschauen.

    • Hallo Dirk,

      stimmt die Kreidler ist sehr sehr geil und macht mordsmäßig Spaß.

      Sorry für die späte Rückmeldung aber es ist Saison und viel zu tun…. 😉

      Grüße Potato

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